Knackpunkt Bahnhof: so könnte das Gebiet beim Bahnhof nach der Umgestaltung aussehen.
Gemeindepräsident Peter Huber und seine Ratskolleginnen und -kollegen haben Grosses vor: Hochdorf soll in Zukunft «mehr als ein Zentrum» sein. Diesen Anspruch, im Terminus des Gemeinderates neuerdings als «Claim» bezeichnet, hegen die Lokalpolitikerinnen und -politiker in einem visionären Projekt. «In Hochdorf sagt man sich noch ‹grüezi› auf der Strasse. Auch das ist ein Zeichen von Lebensqualität. Der Gemeinderat will alles daran setzen, die Lebens- und Wohnqualität von Hochdorf in den nächsten Jahren zu verbessern und eine wirtschaftliche Stärkung herbeizuführen», erläuterte Peter Huber am Dienstag im Brauiturm die Absichten des Gemeinderates.
Starkes Hochdorf, starke Region
«Gemeinde Hochdorf – mehr als ein Zentrum». Diesen Slogan schreibt sich Hochdorf künftig auf die Fahne. Dieser Werbespruch sei eine Zusammenfassung von im Leitbild und im Legislaturprogramm gemachten Aussagen und formulierten Absichten. «Das historisch gewachsene Zentrum mit seinen vielen Einkaufsmöglickeiten entlang der Hauptstrasse wird verstärkt zur Zone für Begegnungen. Der bebaute und unbebaute Raum im Ortskern soll schrittweise zu einem lebendigen Anziehungspunkt von hoher architektonischer Qualität umgestaltat werden», heisst es im Leitbild wörtlich. Diesem Anspruch soll in der 8514-Seelen-Gemeinde mit den am Dienstag vorgestellten Ideen und Projekten Nachdruck verliehen und letztlich auch nachgelebt werden. «Die Zentrumsplanung ist ein absolutes Schlüsselprojekt. Nicht nur für Hochdorf, auch für die Region. Denn bei sämtlichen Planungen für Hochdorf, beispielsweise beim Gesundheitszentrum oder hinsichtlich der Talstrasse, werden wir die Region nicht aus den Augen verlieren», sagt Huber.
Den vorgestellen Ideen und Projekten liegt die im Jahr 2008 lancierte und durch die Firma Interurban durchgeführte Studie zugrunde. Die im März 2009 vorgestellten Ergebnisse haben gezeigt, dass Hochdorf eine Attraktivitätssteigerung als Einkaufszentrum benötigt (der «Seetaler Bote» berichtete am 26. März 2009). Aus diesen Erkenntnissen heraus wurde das Hauptprojekt «wirtschaftliche Stärkung des Regionalzentrums Hochdorf» entwickelt. Dieses Projekt soll laut Gemeinderat bis Ende des laufenden Jahres abgeschlossen sein und beinhaltet eine erste Planungsphase, Kostenschätzungen und die Suche nach potenziellen Investoren. Die Kosten von rund 300000 Franken für die erste Phase werden durch die Gemeinde und durch Beiträge des Kantons und der idee seetal AG getragen. «Die Gemeinde wird die Aufgabe haben, bald einen Masterplan zu erstellen», so der Gemeindepräsident.
Drei Schwerpunkte definiert
In einer durch den Gemeinderat, die idee seetal AG, den Kanton Luzern (Amt für Raumentwicklung und Wirtschaft, Amt für Verkehr) und dem Gwärb Hochdorf gebildeten Projektgruppe wurden Ergebnisse und Ziele für ein «baulich und verkehrstechnisch optimals Umfeld in Hochdorf» formuliert. Die erarbeitete Zentrumsentwicklung sieht viele bauliche Massnahmen vor. Darunter Rückbauten, Neubauten und das Schaffen von Plätzen und Begegnungszonen. Mit diesen Massnahmen soll der fehlende räumliche Verbund zwischen das durch Kirche, Braui, Migros und Coop gebildete Zentrum hergestellt und die Anbindung des Bahnhofes verbessert werden. Dazu drei Szenarien:
– die «dezentrale Entwicklung» sieht die Aufwertung der Hauptachse zwischen Kirche und Coop mit Rück- und/oder Neubauten entlang der Hauptstras-se (z. B. Gebäudezug Papeterie von Matt bis Bäckerei Koch) vor.
– mit dem Szenario «Verdichtung 1» könnte von der Hauptstrasse her ein breiterer Zugang zum Braui-Areal, welches zur Begegnungszone werden soll, realisiert werden. Weiter können sich die Planer im Raum Bankstrasse ein Einkaufs-/Kommerzzenter vorstellen.
– «Verdichtung 2» sieht eine tiefgreifende Aufwertung des Bahnhof-Quartiers vor. Darunter verstehen die Planer beispielsweise die Bahnhofplatz-Umgestaltung. Die Gebäude, in welchem aktuell ein Goldschmied und der Hirschensaal (Hauptstrasse 23) untergebracht sind, könnte verschwinden und einer Treppe zum Bahnhof weichen.
Auf www.hochdorf.ch sind entsprechende Skizzen aufgeschaltet und die Bevölkerung kann im Blog schon erste Reaktionen veröffentlichen. In einem Workshop werden sich die Hochdorferinnen und Hochdorfer am 17. Mai direkt zu den Ideen äussern können.
Die Entwicklung könne letztlich nur dann einsetzen, wenn Grundeigentümer bereit sind, Hand zu bieten, Investoren Geld sprechen und die Bevölkerung die städtebauliche Erneuerung auch will, sagte Huber am Dienstag. Auch hofft man in Hochdorf, dass die geplante Attraktivitätssteigerung beim Kanton auf Gehör und Goodwill stösst, was sich letztlich auch in finanzieller Unterstützung äussern soll. So wünscht man sich seitens des Gemeinderates, dass Hochdorf bei der Standortsuche für kantonale Infrastrukturen berücksichtigt und der Region Seetal bei der Lösung anstehender Verkehrsfragen (Stichwort Talstrasse) Unterstützung zuteil wird.
Peter Gerber Plech