Sorgen dafür, dass in den noch leeren Balthasar-Räumen bald wieder Leben einkehrt (v.l.): Elmar Elmiger (Projektleiter der idee seetal AG), Marianne Moser (Präsidentin Verein Caritas), und Thomas Thali (Geschäftsleiter Caritas Luzern).
Aufmerksame Zuhörer an den Budgetgemeindeversammlungen in den Seetaler Gemeinden haben es im vergangenen Herbst vernommen: Die Fallzahlen auf den Sozialämtern nehmen zu und die Ausgaben für die soziale Wohlfahrt werden im laufenden Jahr steigen. Die Wirtschaftskrise 2009 zeigt ihre Auswirkungen auf die Sozialhilfebezüge verzögert. Und Thomas Thali, seit April 2009 Geschäftsleiter der Caritas Luzern, sagt, dass die Entwicklung auch vor den ländlichen Gegenden im Kanton Luzern nicht Halt machen wird. «Arbeitslosigkeit, Scheidungen, Armut – die sozialen Netze bröckeln. Der Bedarf an Hilfe und Unterstützung wird auch auf dem Land steigen.»
Brockenstube und Dienstleistungen
Da kommt die aktuellste Nachricht der idee seetal AG gerade richtig. «In einer Zeit der wirtschaftlichen Rezession baut die idee seetal AG mit der Caritas Luzern einen Dienstleistungspool für das Seetal auf. Vorerst werden in Hochdorf rund 15 Arbeitsplätze geschaffen», heisst es in der Medienmitteilung des regionalen Entwicklungsträgers. Diese 15 Arbeitsplätze unter dem Dach der «Caritas Dienstleistungen Seetal» sollen dabei helfen, Sozialhilfebezügern eine Tagesstruktur zu bieten, Menschen aufzufangen und sie auf dem Weg zum wirtschaftlichen und sozialen Ziel – der Wiederintegration in den Arbeitsprozess – zu begleiten.
Das Angebot umfasst den Betrieb eines Secondhand-Verkaufsladens (früher Brockenstube genannt), die Demontage und den Abholservice wiederverwendbarer oder reziklierbarer Güter und Bauteile oder die Naturpflege von Wald, Wanderwegen und Landschaft. «Innerhalb dieses breiten Tätigkeitsfeldes ist die Caritas verpflichtet, das bestehende Gewerbe nicht zu konkurrenzieren, sondern die ergänzende Zusammenarbeit mit lokalen KMU zu suchen», hält Hans Peter Stutz, Geschäftsführer der idee seetal AG, fest.
Diese Auflage ist auch im Sinne der Caritas. «Das Projekt ‹Caritas Dienstleistungen Seetal› überzeugt nicht zuletzt deswegen, weil es dank der idee seetal AG in die Wirtschaft mit eingebunden ist und so eine hohe Akzeptanz erfahren wird. Zudem sind die Gemeinden und das Sozialberatungszentrum Hochdorf involviert. Alles in allem: Der Standort Hochdorf bietet uns einen guten Boden für den Aufbau dieser neuen Dienstleistung», ist Thomas Thali überzeugt. Der gebürtige Hitzkircher kann sich für die Zukunft gar einen Ausbau der Dienstleistungen vorstellen. «In diesem Sinne wird Hochdorf für uns auch eine Art Pilotversuch im ländlichen Raum sein.»
Entlastung für Gemeinden
Bisher mussten die Sozialämter der Seetaler Gemeinden sowie das Sozialberatungszentrum Hochdorf (SoBZ) ihre Klienten für wirtschaftliche Wiedereingliederungsmassnahmen meist in den Raum Luzern schicken. Nun wird die Möglichkeit «vor der Haustüre» diesen Stellen eine willkommene neue Möglichkeit eröffnen. Zwar sei eine Arbeitsintegrationsmassnahme für die Gemeinden nicht zum Nulltarif zu haben, aber mittel- bis langfristig zahle sich ein solcher Schritt aus. Dazu Thomas Thali: «Einerseits ist es für den betroffenen Menschen, der so wieder in den Arbeitsprozess integriert werden kann, ein Gewinn. Andererseits auch für das Sozialamt, das nach erfolgter Integration für diesen Klienten keine Sozialhilfe mehr zu entrichten hat.»
Am Anfang der «Caritas Dienstleistungen Seetal» stand eigentlich eine andere Idee. Die idee seetal AG wollte nach der Gemeindefusion in Hitzkirch im Rahmen eines Projektes der neuen Regionalpolitik (NRP) einen Dienstleistungenspool und Servicepoint errichten. «Die injizierte Machbarkeitsstudie hat aber gezeigt, dass aufgrund der örtlichen Strukturen und dem aktuellen Organisationsgrad der Hitzkircher Bevölkerung kaum eine Chance für dieses Projekt besteht», erklärte der von der idee seetal AG eingesetzte Projektleiter Elmar Elmiger an der Medienorientierung. Aus dieser ursprünglichen Idee heraus habe sich dann als Querprojekt das nun vorliegende Ergebnis entwickelt. «Im April 2009 haben wir die Idee Servicepoint Hitzkirch gestoppt, im Mai eine Projektgruppe mit den Sozialvorsteherinnen aus Römerswil, Hochdorf und Hitzkirch sowie dem SOBZ-Leiter gegründet, im Juni den ersten Kontakt zur Caritas Luzern geknüpft und nun stehen wir vor der Umsetzung. Ich bin beeindruckt, mit welcher Effizient eine Non-Profit-Organisation wie die Caritas diese Idee aufgegriffen und umgesetzt hat», so Elmiger.
idee seetal AG zieht sich zurück
Als Initiant wird sich die idee seetal AG schrittweise aus dem Projekt «Caritas Dienstleistungen Seetal» zurückziehen. «Wir werden während der Aufbauphase noch unterstützend mitwirken und über unsere bestehenden Netzwerke Wirtschaft und Politik ideell werben, sowie Partner und Kunden für die neue Dienstleistung gewinnen. Wir werden also quasi als Türöffner der Caritas zur Verfügung stehen», sagt Stutz. Die Finanzierung dieser Arbeiten, die sich hauptsächlich aus Informationsaufgaben schriftlicher und mündlicher Natur zusammensetzen, ist gesichert. Denn von den 60000 Franken, die der Kanton Luzern spezifisch für dieses NRP-Projekt gesprochen hatte, wurden bisher deren 45000 Franken aufgewendet. «Die verbleibenden 15000 Franken wird die idee seetal vernünftig und für das Projekt zielgerichtet einzusetzen wissen», so Hans Peter Stutz.
Peter Gerber Plech