Gemeindepräsident Thomas Oehen ist bereit für neue Einwohner. Auf der Wiese hinter ihm entsteht die Johanniterhof-Überbauung – inklusive Aussicht auf die historische Kommende.
Blickt man im Hohenrainer Gemeindehaus zum Fenster hinaus, ragt ein Baukran in den Himmel. Der Baulärm ist unüberhörbar. «Hier unten im Reb-acker werden zur Zeit die letzten Bauparzellen bebaut», erklärt Gemeindepräsident Thomas Oehen. Gerade oberhalb des Gemeindehauses hat es hingegen noch Platz. Viel Platz, und den will die Gemeinde nutzen. Und nicht nur dort. Die Liste der Bauprojekte ist imposant, gleich drei grössere Siedlungen sind in Hohenrain geplant. Am Hang zwischen Gemeindehaus und Pfarrkirche – das Grundstück gehört dem Kanton – entsteht auf einer Fläche von 1,25 Hektaren zum Beispiel der Johanniterhof, eine Überbauung mit 15 Ein- und 2 Mehrfamilienhäusern. Im nächsten Frühling sollen die Bagger auffahren.
Eine Frage des Überlebens
Noch im Stadium der Gestaltungsplanung befindet sich ein 10 000 Quadratmeter grosses Grundstück an der Sennweidstrasse, gegenüber dem Heilpädagogischen Zentrum HPZ. Im Frühling hat die Bevölkerung zugestimmt, dieses Land dem Kanton abzukaufen und Erschliessungsarbeiten ausführen zu lassen. Kostenpunkt: 2,8 Millionen Franken. Weiter sollen in Oberebersol acht bis zehn neue Einfamilienhäuser, in Kleinwangen vier Häuser und in Lieli zwei Mehrfamilienhäuser gebaut werden.
Grund für die Bautätigkeit: «Wir sind eine grosse Gemeinde mit einer teuren Infrastruktur. Wenn sich Hohenrain nicht entwickeln kann, ein gewisses Wachstum erreicht und sich steuerlich nicht entwickelt, dann wird die Gemeinde Mühe haben zu überleben», befürchtet Thomas Oehen. Damit das nicht passiert, müssen neue Einwohner her.
«Druck» aus Zug und Zürich
Aufgrund der «Bautätigkeit in den umliegenden Gemeinden» ist Oehen überzeugt, dass die Hohenrainer Häuser auch gekauft werden. «In Abtwil und Sins wird wahnsinnig viel gebaut. Siedlungsdruck gibt es dort vor allem aus den Gebieten Zug und Zürich. Wir gehen davon aus, dass dieser ‹Druck› noch einige Kilometer weiter zu uns herüberschwappen wird.»
Gemäss Oehen wird die Überbauung Johanniterhof eher Leute mit gehobenem Einkommen ansprechen. Die neuen Häuser sollen aber auch den Bedürfnissen der jüngeren Einheimischen mit weniger dickem Portemonnaie dienen. «Daneben ist es auch so, dass ältere Einfamilienhausbesitzer aus Hohenrain Eigentumswohnungen suchen. Wenn sie das in Hohenrain nicht finden, gehen sie halt nach Hochdorf, Ballwil oder Eschenbach.»
Bevölkerung wächst um 10 Prozent
Läuft alles nach Plan, sind laut Oehen die meisten Bauprojekte in etwa drei bis fünf Jahren verwirklicht. Der 51-jährige Gemeindepräsident rechnet mit einer Bevölkerungszunahme von 200 bis 250 Personen. Heute zählt Hohenrain rund 2500 Einwohnerinnen und Einwohner.
Eine rasche Bevölkerungszunahme birgt aber auch Konflikte, zudem besteht die flächenmässig zweitgrösste Seetaler Gemeinde aus verschiedenen Dorfschaften. Thomas Oehen fürchtet sich aber nicht um den sozialen Zusammenhalt. «Hohenrain ist heute vielmehr zusammengewachsen als früher.» Konflikte sieht er – selber Landwirt in Lieli – eher im Bereich der Landwirtschaft. «Hohenrain ist eine landwirtschaftlich und ländlich geprägte Gemeinde. Hier gibt es noch etwa 100 Bauernhöfe. Mit den vielen Neuzuzügern werden wahrscheinlich die Geruchsemissionen verstärkt zum Thema.» Da brauche es Kompromiss-
bereitschaft seitens der Bauern und der Bevölkerung.
Strassennetz misst 100 Kilometer
Neben der Bautätigkeit investiert Hohenrain auch kräftig in die Infrastruktur. Strassen und die Kanalisation werden saniert. «Hohenrain hat etwa 100 Kilometer Gemeinde- und Güterstrassen», sagt Gemeindepräsident Oehen. Die Strassensanierung kostet die Gemeinde etwa 600000 Franken pro Jahr. Hohenrain kommt zugute, dass durch die 2007 erfolgte Fusion mit Lieli zehn Jahre lang zusätzlich 250000 Franken pro Jahr in die Gemeindekasse fliessen. «Anstatt kurzfristig die Steuern zu senken, investieren wir diesen Betrag lieber langfristig, nämlich in unsere Infrastruktur», sagt Oehen.
«Zeit ist noch nicht reif»
Trotzdem bleibt der Gemeindepräsident vorsichtig. «Sollte es Hohenrain nicht alleine packen, müsste wohl eine Fusion geprüft werden. Da steht Hochdorf im Vordergrund», sagt Thomas Oehen. «Die Erwartungshaltung wird nicht kleiner. Die Leute erwarten von einer Gemeinde gewisse Dienstleistungen, doch die kosten.» Da erst 2007 die Fusion mit Lieli stattgefunden hat, sei im Moment aber die Zeit für eine weitere Fusion nicht reif. «Vielleicht sieht das in fünf Jahren anders aus. Ich persönlich bin offen dafür, aber man muss die Entwicklung von Hohenrain abwarten», sagt Oehen.
Reto Bieri