Ab Frühjahr 2011 gibt's hier keine Grill-Tipps mehr, dafür ab 2012 Anlage-Tipps: Auf Marfurt folgt Raiffeisen.
Kein Nachfolger in Sicht – was für viele KMU ein Problem ist, war auch ein entscheidender Faktor in den Überlegungen von Toni und Vreni Marfurt. «Unsere beiden Töchter engagieren sich beruflich im Sozialbereich, sodass familienintern keine Nachfolge in Sicht ist. Das Kundenverhalten hat sich gewandelt, was auch von uns zu akzeptieren ist. Ich musste mir aber Fragen nach dem längerfristigen ‹Wie weiter› stellen.» Da Marfurt hierbei keine Ideallösung fand und in diesem Zeitraum der fehlenden Antworten auf die entsprechenden Fragen die Raiffeisenbank Oberseetal die Erschliessung von Hochdorf anstrebte, entschloss sich der Hochdorfer Metzger zur Aufgabe und zum Verkauf seines Ladengeschäftes im Erdgeschoss an der Hauptstrasse 7. «Es war kein leichtfertiger Entscheid ,und er kam nach einer langen Zeit des Abwägens zustande», sagt Toni Marfurt, der das Geschäft während knapp 16 Jahren geführt hat. Tonis Vater Anton Marfurt erwarb diese Metzgerei und führte sie während 30 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Käthi. Fakt ist nun, dass Anfang 2011 ein traditionsreiches Fachgeschäft aus der Einkaufslandschaft von Hochdorf verschwinden wird. Ältere Generationen erinnern sich noch an jene Zeiten, als in Hochdorf die Auswahl zwischen den drei Metzgereien Marfurt, Elmiger und Alchenberger bestand.
Für Insider Marfurt, in dessen Besitz die über dem Laden liegenden Wohnungen verbleiben werden, ist das «Metzgereiensterben» keine Überraschung: «Laut Statistik verschwindet in der Schweiz pro Monat eine Metzgerei.» Jetzt trifft es also (wieder) Hochdorf. Für die rund sieben Angestellten von Toni Marfurt aber seien Lösungen in Sicht, versichert der Hochdorfer Metzger.
Die Frage nach der eigenen Zukunft kann Marfurt noch nicht schlüssig beantworten. «Ich weiss es wirklich noch nicht. Ich sehe mich aber weiterhin in der Lebensmittelbranche. Ich lasse das aber jetzt vorerst auf mich zukommen», sagt er.
Der Konkurrenzkampf wächst
Mit dem für das Frühjahr 2012 geplanten Einzug der Raiffeisenbank Oberseetal erhält Hochdorf das vierte Bankinstitut. Mehr noch: An der Hauptstrasse wird sich mit den innerhalb weniger Meter beheimateten Banken (LUKB, UBS, Valiant und Raiffeisenbank) ein kleines Bankenviertel entwickeln. Bei der Suche nach einem Standort in Hochdorf ist die Raiffeisenbank Oberseetal an der Hauptstrasse 7 fündig geworden. Aber nicht primär die Nähe zur Konkurrenz sei entscheidend gewesen. «Drei Standorte standen zur Auswahl, jenen an der Hauptstras-se 7 haben wir dann aber konsequent weiterverfolgt, weil dieser laut Analyse unseren Bedürfnissen entsprach und uns die besten Möglichkeiten bot», sagt Pascal Walthert, Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Oberseetal. Möglichkeiten, die einerseits den Bau einer Bankfiliale und andererseits einen notwendigen Aus- und Erweiterungsbau der Räume Richtung Bahngeleise zulassen. Schliesslich soll in Hochdorf das Backoffice der Raiffeisenbank Oberseetal Platz finden. «Hochdorf wird sich vorab im Bereich Oberdorf weiterentwickeln, und da wollen wir als Raiffeisenbank mit von der Partie sein. Am Sitz in Hochdorf planen wir eine Geschäftsstelle, die den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden sowie der Bank selbst Rechnung trägt», ergänzt Walthert. Eschenbach als eigentlicher Hauptsitz der kürzlich fusionierten Genossenschaft und die Filialen in Inwil und Hohenrain bleiben bestehen. Demnächst wird ein Architekturwettbewerb für den Um- und Ausbau der (bald) ehemaligen Metzgerei ausgeschrieben. «Die Geschäftseröffnung ist für das Frühjahr 2012 geplant. Ich freue mich schon heute auf den Tag der offenen Bank in Hochdorf», so Walthert.
Peter Gerber Plech