Die «älteste Boy-Group» der Schweiz,«Les Sauterelles», rocken Eschenbach (v.l.): Peter Glanzmann, Toni Vescoli und Freddy Mangili (nicht im Bild Düde Dürst, der Mann an den Drums).
Gemäss OK-Präsident Beat Schürmann standen die Vorbereitungen des Open Airs immer unter einem guten Stern: «Der Name Open Air Eschenbach gilt immer noch was, und so wurde ich sogar von Sponsoren angefragt, ob sie dabei sein dürften.» Somit konnten die Veranstalter schon im Vorfeld grosszügig rechnen. Das Ziel, 1000 Eintritte, war absolut realistisch, wenn man bedenkt, dass schon im Vorverkauf über 600 Tickets weggingen.
Leider fanden sich am Nachmittag aus zwei guten Gründen wenig Zuhörende für die Konzerte ein: Erstens war es sehr heiss, und zweitens lief das Viertelfinalspiel Deutschland gegen Argentinien. Dieses wurde live auf einer Grossleinwand in der Turnhalle vor viel Publikum übertragen. Am Abend wurde aber das Ziel mit den eintausend Besuchern und Besucherinnen erreicht, und nur ein paar beunruhigende Regentropfen sorgten so gegen 22.30 Uhr für besorgte Blicke an den nächtlichen Himmel.
«Beatles» live und sehr lebendig
Nostalgie pur hiess es dann ab 20.15 Uhr. Die legendäre Band Les Sauterelles um den Leader Toni Vescoli versetzte mit ihrem perfekten Spiel und ihrer sehr guten Bühnenpräsenz das Publikum in die 1960-er Jahre. «Wir spielen Musik aus unserer Jugendzeit», und das ist auch schon ein paar Jahre her. Von Alter oder gar Müdigkeit spürte man aber nichts. Im Gegenteil. Da standen Handwerker auf der Bühne, die ihre Instrumente zu bedienen wussten. Songs wie «Lucy in the Sky with Diamond» oder «St. Peppers lonely hard Club Band» kamen absolut echt rüber, so dass man mit geschlossenen Augen nicht wusste, ob nicht doch die echten Beatles in Eschenbach rockten.
Natürlich war die «älteste Boy-Group der Schweiz» eine gute Wahl, geht man doch mit bekannten und auch beliebten Songs aus den 1960-ern kein Risiko ein. Die Covers waren aber perfekt, der vierstimmige Gesang brillant, und die Herrschaften auf der Bühne hatten sichtlichen Spass. Ein weiterer Grund für die Sauterelles war laut Schürmann: «Sie waren bezahlbar.» Das macht diese Band nur noch sympathischer.
Den Haupt-Act des Abends gestaltete der Thuner Musiker Philipp Fankhauser. Als Fazit kann man mit einer Kürzestformel zusammenfassen: Blues vom Feinsten. Leidenschafltich gespielte Hammond-Sounds, Bandmusiker, welche dem Sänger nicht die Show stahlen, ein absolut eindrücklicher Gesamtsound und dann diese rauchige volle Stimme von Philipp Fankhauser – besser geht es einfach nicht. Sein Gitarrenspiel erinnerte in seiner reduzierten Spielweise an BB King, seine Stimme braucht auch internationale Vergleiche nicht zu scheuen. Der charismatische Sänger zeigte eine tolle Präsenz auf der Bühne und versuchte immer wieder, das Publikum einzubeziehen. Und er fühlte sich sehr wohl in Eschenbach. Unter dem Beifall der Zuhörenden stellte er klar: «Dieses Open Air soll ja ein Neuanfang sein. Hoffentlich gibt es nicht wieder so einen Expansions-Chabis wie früher. Lasst dieses Open Air so sein wie es heute ist. Und wenn es in zehn Jahren immer noch so klein ist, dann komme ich wieder und spiele kostenlos.»
Claudio Brentini