Vor drei Jahren pilgerten 450 Personen auf den Hof der Familie Gassmann in Hildisrieden, wo auch in diesem Jahr wieder ein 1.-August-Brunch angeboten wird.
Ein würziges Spiegelei, selbst gemachtes Brot oder eine währschafte Rösti geniessen: Diesen Service quasi direkt ab Hof werden am 1. August wieder Tausende von Schweizerinnen und Schweizern in Anspruch nehmen. In der Beliebtheitsskala steht der Nationalfeiertags-Brunch auf dem Bauernhof weit oben. So auch im Seetal, wo die Betriebe regelmässig sehr gut ausgelastet sind. Demgegenüber ist jedoch zu beobachten, dass die Anzahl der Höfe, die im Seetal einen 1.-August-Brunch anbieten, seit Jahren zurück- geht. Waren es Mitte der 1990er-Jahre noch über zehn Betriebe, sind es in diesem Jahr noch drei (siehe Kasten). Dabei wäre die Nachfrage durchaus da. «Würden mehr Höfe mitmachen, kämen wahrscheinlich noch mehr Leute», sagt Alois Hodel, Sekretär des Luzerner Bauernverbandes. Den Rückgang an Brunch-Betrieben relativiert er allerdings: «Die Zahl im Kanton Luzern schwankt jährlich.» Das habe damit zu tun, dass der Brunch einen erheblichen Aufwand mit sich bring. «Es braucht freiwillige Unterstützung durch Familie und Freunde.» Zudem falle der Brunch in eine Zeit, in der einerseits Ferien seien, es andererseits für die Bauern viel auf dem Betrieb zu tun gebe. «Ich habe grossen Respekt und bin dankbar gegenüber den Bauernhöfen, welche den Brunch anbieten.» Es sei allerdings schon wünschenswert, sagt Hodel weiter, wenn sich mehr Betriebe melden würden, damit sich die Besucherzahlen besser verteilen.
Rund 200 000 Schweizerinnen und Schweizer besuchen pro Jahr einen 1.-August-Brunch. Diese Zahl sei seit zehn Jahren konstant, stellt Urs Schneider, stellvertretender Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes, fest. Auch die Anzahl Brunch-Höfe sei gesamtschweizerisch stabil, schwanke aber regional und kantonal. Dass die Anzahl der Seetaler Brunch-Bauernhöfe zurückgeht, ist demnach ein Seetal-spezifisches Phänomen.
Stabile Anzahl trotz Betriebssterben
«Seit dem Beginn im Jahr 1993 haben wir in der Schweiz zwischen 400 und 450 Brunch-Bauernbetriebe pro Jahr, und dies, obwohl die Gesamtzahl der Bauernhöfe in dieser Zeit von 90 000 auf 60 000 abgenommen hat», sagt Schneider. Aufgrund dieser Entwicklung sei er zuversichtlich, dass auch in Zukunft jeweils um die 400 Bauernhöfe beim 1.-August-Brunch mitmachen. Auch Schneider verweist auf den grossen Aufwand, meint allerdings: «Das Ziel ist nicht unbedingt der kommerzielle Erfolg, sondern die Werbung für den Hof und die Landwirtschaft.» Der 1.-August-Brunch ist Teil der Imagekampagne der Schweizer Bauern. «Auf dem Hof kann man eine Kuh streicheln und gute landwirtschaftliche Produkte essen, also vor Ort etwas geniessen und erleben. Das hinterlässt nachhaltige Eindrücke», sagt Schneider.
Reto Bieri