Josef Koch vor dem Bahnhof. Dort soll künftig das «Bahnolino» Kundenbedürfnisse befriedigen.
Einen schnellen Kaffee im Stehen, ein Sandwich, ein Mittagsmenü oder einen frisch zubereiteten Salat nach Wunsch. «Fliegende» Verpflegung – was an vielen gut frequentierten Bahnhöfen längst Usus ist, soll ab Oktober auch in Hochdorf möglich sein. Verantwortlich für diese neue Möglichkeit ist Josef Koch. «Ich glaube an die Idee, da es sich für Hochdorf um eine Marktlücke handelt. Und ich glaube an die Wirtschaftlichkeit, sonst würde ich die Finger davon lassen», so der innovative Bäcker-Konditormeister. Die Idee flog dem 57-Jährigen quasi zu, als er Anfang Jahr durch die Fenster in den schon seit längerer Zeit leer stehenden Raum der ehemaligen FINN-Boutique im Bahnhofgebäude schaute. «Da liesse sich doch etwas machen», sagte er sich, und als unabhängig davon Kochs 24-jähriger Sohn André zwei, drei Tage später am Mittagstisch mit einer ähnlichen Idee aufwartete, war der Weg zur Umsetzung geebnet. Es folgten die ersten Schritte wie Businessplan, Ideen bezüglich Raumgestaltung, Machbarkeitsstudie und Berechnungen. Heute ist Koch einige Schritte weiter: Der mehrjährige Mietvertrag mit den SBB ist unterzeichnet und seit Montag liegt auf der Gemeinde das entsprechende Baugesuch auf. «Ich hoffe, dass wir im Oktober den Betrieb aufnehmen können», sagt Josef Koch. Für die Vorwärtsstrategie seines Betriebes ist Koch bereit, mehrere hunderttausend Franken für einen sanften Umbau der Räume zu investieren.
Sechs neue Arbeitsplätze
Das Konzept des Hochdorfer Bäckermeisters hat offenbar überzeugt, denn die SBB hätten auch noch andere Interessenten gehabt. André Koch, der an der Idee massgeblichen Anteil hat, wird als Geschäftsführer für das neue Take-away-Angebot verantwortlich sein. Vater Koch geht davon aus, dass er mit dem «Bahnolino» sechs neue Arbeitsplätze schaffen kann. Das «Bahnolino» soll mit den ersten Zugsverbindugen ab Hochdorf seinen Betrieb aufnehmen und bis gegen 21 Uhr, vielleicht sogar 22 Uhr, geöffnet sein. «Also in der Zeit vom warmen Gipfeli am Morgen über die Auswahl von zwei oder drei Mittagsmenüs bis hin zum frischen Feierabendbrot aus der Backstation», ergänzt Josef Koch. Im Geschäftsinnern sollen Bistrotische ein Verweilen und das Angebot die Produktion individuell zusammengestellter Salatkreationen und Sandwiches ermöglichen. Aber auch der eilige Gast, der kurz vor Zugsabfahrt noch einen Kaffee zum Mitnehmen kaufen will, wird nicht zu kurz kommen. Geleiseseitig ist geplant, dass eines der Fenster zu einem bedienten «Express-Schalter» umfunktioniert wird. «Wir achten darauf, dass wir mit unserem Sortiment den Bahnhof-Kiosk nicht konkurrenzieren. Ich bin überzeugt, dass sich ‹Bahnolino› und Kiosk sogar bestens ergänzen werden», so Koch. Weil Take-away-Angebote immer auch vermehrt Abfall verursachen, werde das künftige «Bahnolino»-Team täglich Rundgänge um den Bahnhof machen und nicht sachgemäss entsorgte und liegengelassene Abfälle entfernen.
Aus für den Dorfladen Gelfingen
Per Ende Jahr aufgeben wird Koch dagegen den Dorfladen in Gelfingen, den er seit Mitte der 1990er-Jahre führt. Die Entscheidungen pro «Bahnolino» und kontra Dorfladen seien aber aus wirtschaftlichen Überlegungen und völlig unabhängig voneinander gefallen, so Koch. «In den vergangenen zehn Jahren waren wir in Gelfingen weit davon entfernt, selbsttragend arbeiten zu können. Mit den Einnahmen der Bäckerei in Hochdorf haben wir den Dorfladen in Gelfingen quersubventionieren müssen.» Was in den Räumen des Dorfladens nach dessen Schliessung entstehen werde, wisse er nicht, sagt Koch.
Peter Gerber Plech